Die blauen Zirkone aus Ratanakiri in Kambodscha

blauer Zirkon aus Ratanakiri in KambodschaZirkonminen in Ratanakiri in KambodschaRatanakiri ist eine der unberührtesten und am wenigsten besuchten Regionen Kambodschas. Im Nordosten des Landes gelegen, an Laos und Vietnam grenzend, sind es vor allem Dschungel, Wasserfälle, wilde Tiere und hier lebende ethische Minderheiten, die dieses Gebiet so interessant machen..aber auch die Minen, aus denen der blaue Zirkon stammt.
 
Der Distrikt Bor Keo (Borkeo), in dem die blauen Zirkone abgebaut werden, liegt circa 30 Kilometer von der regionalen Hauptstadt Banlung entfernt. Wie in vielen Regionen des südöstlichen Asien spielt auch hier die Abholzung der Wälder eine große Rolle: Der Anbau von Kautschuk und Maniok hat die Landschaft in großem Maße verändert.
 
Minenschacht in KambodschaMinenarbeiter in Borkeo in KambodschaDoch paradoxerweise erleichtert der Kautschukanbau die Arbeit der Minenarbeiter in den Edelsteinminen vor Ort.Die Kautschukbäume werden in Reihen in Abständen von je 10 Metern gepflanzt: in diesen freien Zwischenräumen richten sich die Arbeiter ihre Lager ein und können hier – auch in Zeiten großer Hitze vor der Sonne geschützt – graben.
Einfache Löcher mit einem Durchmesser von 80 cm, gerade soviel, um einen Mann vertikal hinabzulassen, der jedoch dann bis zu 15 Meter in die Tiefe gleitet – ohne Abstützung oder sonstige Hilfe, lediglich mithilfe von kleinen Einkerbungen an der Seite, die demjenigen, der hinab-oder wieder hinaufsteigt erlauben, Hände und Füße abzustützen.

Zirkonkristall aus Borkeo in KambodschaAußerdem gibt es horizontale Gänge, um die Erde nach oben zu befördern, die dann per Hand nach Zirkonkristallen durchsucht wird. Zirkone sind erst in 10 bis 12 Metern unter der Erdoberfläche zu finden.
Die Wurzeln der Kautschukbäume reichen nur bis 5 Meter in die Tiefe, so werden die Zirkonminen von den Besitzern und Arbeitern der Kautschukplantagen toleriert. Ist ein Schacht vollständig bearbeitet und durchsucht, wird er wieder zugeschüttet und man gräbt in 5 bis 10 Metern Entfernung erneut.
wärmebehandelte, blaue ZirkoneSo wechseln die Minen ständig ihren Standort und befinden sich von Monat zu Monat an einem andern Ort.
 
Nach Aussagen der Minenarbeiter und der Bewohner gab es bisher keinen Unfall bei der Arbeit in dieser Art von Minenschachten. Die Minenarbeiter erkennen sich gegenseitig wenn sie ihre Lager verlassen: Sie sehen genauso rot aus wie die Erde, in der sie die wertvollen Zirkone zu finden hoffen.
 
orangefarbener, geschliffener Zirkon  aus Borkeo in KambodschaDie Zirkone, die hier entdeckt werden, sind kristallisiert und frei zerstreut in dieser roten, körnigen Erde zu finden.
Sie sind von rot-orangener Farbe und haben einen Durchmesser von bis zu 5 cm. Vielleicht werden Sie erstaunt sein, wenn Sie nicht weit von den Minen einen teuren Sportwagen entdecken: Es handelt sich um einen Käufer, der vorbeikommt, um sich seine Kaufobjekte vor Ort auszusuchen.
In diesen Minen wird allerdings kein blauer Zirkon gefunden: die Zirkone werden nach Banlung gebracht und hier einer Wärmebehandlung unterzogen. Erst durch dieses Verfahren erhalten sie ihre blaue Farbe. Die Steine werden in das Innere eines Schmelztiegels befördert, der anschließend gut geschlossen und einige Stunden stark erhitzt wird. Danach kühlt er einen ganzen Tag aus. Anschließend wird der Tiegel geöffnet: blaue Zirkone, bereit zum SchliffEinige der Zirkone haben eine blaue Farbe angenommen – jedoch nicht alle.
 
Zirkonschleifung in KambodschaNun wählen die Steinschneider die Steine aus, bearbeiten sie und schleifen sie von Hand. Die Farben variieren von einem Blau „Lagune der südlichen Meere“ bis zu einem sehr intensiven Petrolblau. Die blauen Zirkone aus Kambodscha glänzen mehr als der blaue Topaz, der einzige Edelstein, der sich durch eine ähnliche Farbe auszeichnet. In Kambodscha wird der blaue Zirkon von Männern und Frauen gleichermaßen getragen.
Neue Straßen, die gebaut werden und ältere, die erneuert werden, erleichtern mehr und mehr den Zugang zu dieser schönen Region. Dieses Jahr wurde beispielsweise der berühmte "Death Highway", der Ratanakiri mit Mondolkiri verbindet, erstmals in der Regenzeit genutzt.